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Expedia enttäuscht mit Ergebnis und Ausblick

09.02.2018, 13:32

Das Online-Reisebüro Expedia will in Prozesse, Vertrieb und Marketing investieren. Die Ernte einfahren möchte Expedia-Chef Mark Okerstrom erst im zweiten Schritt. An der Börse wird das abgestraft.

Will das Geschäft mit Ferienunterkünften ausbauen: Expedia-CEO Mark Okerstrom.
Foto: Expedia

Expedia, neben Wettbewerber Booking.com das weltweit größte OTA, hat im vierten Quartal 2017 die Erwartungen der Anleger klar verfehlt. Die an der Technologiebörse Nasdaq notierte Expedia-Aktie fiel am Donnerstag im nachbörslichen Handel um mehr als 19 Prozent. Zum Kurssturz in einem insgesamt fallenden US-Aktienmarkt trugen die als entmutigend interpretierten Äußerungen von Unternehmenschef Mark Okerstrom bei: Das Jahr „endete nicht so, wie wir es in finanzieller Hinsicht geplant hatten“, sagte Okerstrom während einer Telefonkonferenz mit Investoren.

Der US-Konzern, dem Marken wie Expedia.com, Hotels.com, Homeaway – in Deutschland unter der Marke Fewo-direkt bekannt – und Trivago gehören, hatte am Donnerstag nach US-Börsenschluss Geschäftszahlen vorgelegt. Demnach sind die die Vertriebs- und Marketing-Aufwendungen im vierten Quartal um 16 Prozent auf 1,12 Mrd. US-Dollar (914 Mio. Euro) gestiegen.

Hohe Investitionen geplant

Okerstrom kündigte für 2018 hohe Ausgaben an, um die Betriebsabläufe zu modernisieren und agile Start-ups, die bei Reisebuchungen über mobile Endgeräte bereits weiter sind, in Schach zu halten. „Wir arbeiten mit einem klaren Fokus auf die Märkte mit der für uns höchsten Priorität und konzentrieren unsere Investitionen auf die gesamte Plattform“, erklärte der CEO. Dies ist das erste volle Quartal unter Expedias ehemaligem Finanzchef Okerstrom, der an der Konzernspitze den zum Mobilitätsanbieter Uber abgewanderten Dara Khosrowshahi abgelöst hat.

Die Bruttobuchungen des in Bellevue bei Seattle ansässigen Unternehmens stiegen im vierten Quartal um 13,6 Prozent auf 19,8 Mrd. Dollar. Der Eigenumsatz kletterte in den drei Monaten bis zum 31. Dezember von 2,1 Mrd. Dollar (2016) auf 2,3 Mrd. Dollar. Um Sondereffekte bereinigt verdiente Expedia im Schlussquartal 84 US-Cent pro Aktie. Das Ergebnis lag damit fast 30 Prozent unter dem Vergleichswert für 2016 und weit unter der durchschnittlichen Analysten-Schätzung von 1,15 Dollar.

Ausgaben steigen stärker als der Umsatz

Die Ausgaben stiegen im vierten Quartal stärker als der Umsatz, ein Trend, den Expedia nach eigenen Angaben 2018 fortsetzen wird. Ein Teil der Mehrausgaben wird in den Übergang zu einer Cloud-basierten Infrastruktur investiert. Finanzchef Alan Pickerell kündigte an, dass Expedia dieses Jahr 170 Mio. Dollar für die Überführung seiner Inventar-Datenbanken in die Cloud investieren wird.

Für 2018 erwartet Expedia ein jährliches Wachstum des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von sechs bis elf Prozent. Daraus errechnet sich ein Maximum von 1,9 Mrd. Dollar. Analysten hatten im Schnitt 1,94 Mrd. Dollar erwartet. Die Expedia-Führung avisiert eine Ergebnisverbesserung erst für das zweite Halbjahr, weil für das erste Halbjahr hohe Ausgaben geplant sind.

Mit den Investitionen will Expedia versuchen, einen größeren Anteil am wachsenden Markt für Kurzzeitvermietungen zu erobern. Diesen sieht Okerstrom als Schlüsselbereich für weiteres Wachstum. Das OTA plant unter anderem, die Ausgaben für Vertrieb und Marketing für seine Vermietungsplattform Homeaway zu erhöhen, die mit Platzhirsch Airbnb konkurriert. Die Zahl der verfügbaren Unterkünfte soll ebenfalls steigen.

Licht und Schatten bei Homeaway und Trivago

Mit der Entwicklung bei Homeaway zeigte sich Okerstrom nur bedingt zufrieden. Zwar stieg der Umsatz im vierten Quartal um 16 Prozent auf 193 Mio. Dollar. Der Unterkunftsvermittler blieb damit aber ebenfalls deutlich unter den Schätzungen der Analysten von 225,4 Mio. Dollar. Die Investitionen in Homeaway hätten begonnen, sich auszuzahlen, resümierte Okerstrom, „und wenn sie arbeiten, ermöglicht es Homeaway, in Vertrieb und Marketing Gas zu geben“. Die Kehrseite sei, dass es die kurzfristige Profitabilität belaste. Homeaway war im vierten Quartal deutlich weniger profitabel als ein Jahr zuvor.

Ähnlich ist die Situation bei der deutschen Gründung Trivago, die mehrheitlich von Expedia kontrolliert wird. Der Hotelmetasucher hat 2017 zwar den Umsatz stark gesteigert und erstmals über eine Milliarde Euro erlöst. Demgegenüber steht aber ein unerwartet hoher Verlust im vierten Quartal, weil die Plattform mehr Geld für Vertrieb und Marketing ausgegeben hat. Trivago rechnet für das erste Halbjahr 2018 mit einem Umsatzrückgang, der erst in der zweiten Jahreshälfte mehr als aufgeholt werden soll. (JEV)

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