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Mein Leben als Googles Local Guide

23.01.2018, 17:10

Google nutzt intensiv Bewertungen Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, um seine Reise-Tools zu verbessern. Als Teil der Google-Community Local Guides ist man Power User – und erfährt zugleich viel über sein eigenes Leben.

fvw-Chefredakteur Klaus Hildebrandt ist privat Mitglied der Reise-Community Local Guide von Google und schildert seine Erfahrungen.
Foto: fvw

Da habe ich die vergangenen Tage doch glatt etwas verpasst: Ein Video über unbekannte Sehenswürdigkeiten in Budapest, ein Treffen mit Gleichgesinnten in Bangkok und ein Fotorundgang durchs niederländische Zwolle. Diese und andere Empfehlungen erhalte ich als Local Guide von Google, einer „weltweiten Community von Entdeckern, die Tipps, Fotos und ihr Wissen über neue Orte auf Google Maps mit anderen teilen“.

Die journalistische Neugier über die Reiseservices von Google – von der Hotel- und Flugsuche bis zur App Trips – lockte mich in diese Gemeinschaft, die der Suchmaschinenkonzern geschickt nutzt, um so mit Power-Usern die Zahl der Bewertungen von Hotels, Restaurants oder Attraktionen zu steigern.

Google zeigt nicht nur künftige Events, sondern auch die Vergangenheit. Da die Suchmaschine über die Geolokalisierung des Smartphones den Standort kennt, können gezielt Orte für eine Bewertung vorgeschlagen werden. In einer Zeitachse für eingeloggte Nutzer auf Maps lassen sich besuchte Städte, Geschäfte oder Sehenswürdigkeiten zurückverfolgen. Diese Statistik wird nun auch monatlich per Mail zugesandt. So erfahre ich, dass ich im Dezember in zwölf Städten war, darunter drei erstmals von mir bereiste.

Unter meinen besuchten Orten waren gleich mehrere Hotels in Ras Al Khaimah – die DRV-Tagung lässt grüßen. Für jeden einzelnen Tag gibt es minutengenaue Reisestatistiken. So lerne ich zu meinem Erschrecken, dass ich im Dezember mehr als 60 Stunden in einem Fahrzeug verbrachte. Und erhalte die wichtige Information, dass ich in meinem Leben noch 325.925 Kilometer zurücklegen muss, um eine Strecke wie die von der Erde bis zum Mond zu schaffen.

Google sammelt fleißig Bewertungen

Jeder angemeldeter Google-Nutzer, also nicht nur Local Guides, können direkt in Maps ein eingetragenes Unternehmen oder einen touristisch relevanten Ort bewerten, schlicht nur mit Punkten von eins bis fünf oder ausführlicher mit Text und Fotos. So sammelt Google fleißig Bewertungen. Schloß Neuschwanstein etwa hat 9850 Berichte von Besuchern aus aller Welt, das Mövenpick Hotel Hamburg 477 Einträge, beide haben die Durchschnittsnote 4,5 von maximal fünf Punkten

Bewerten kann allerdings jeder, egal ob man die Location tatsächlich besucht hat oder nicht. Zudem fordert Google von Zeit zu Zeit auf, Fragen zu einem rezensierten Ort zu beantworten, zum Beispiel ob ein Restaurant barrierefrei ist. Die gesamten Informationen kann Google nicht nur für die Verbesserung von Maps, sondern auch für seine Reise-Tools nutzen, etwa für die App Trips für die Reisegestaltung vor Ort. Als Local Guide erhält man Punkte für Rezensionen, Fotos und beantwortete Fragen. Mit 43 Rezensionen und 352 Punkten bin ich auf dem Level 4 angekommen, mein Profilbild wird nun mit dem Guide-Emblem gezeichnet. Das soll offenbar Seriosität des Nutzers demonstrieren. Bis zum höchsten Level 10 ab 100.000 Punkten ist es noch ein weiter Weg.

Lust am Bewerten

Ab einem bestimmten Level wird das Porträt mit dem Guides-Logo gekennzeichnet.
Foto: fvw

Ob der Weg sich lohnt, wird in entsprechenden Foren kritisch kommentiert. Die versprochenen Prämien wie Gutscheine für Googles Musikdienst seien „mehr als enttäuschend“. Es gebe sie auch an anderer Stelle, heißt es im „Google Watchblog“. Für einen Teil der User scheint aber allein die Kommunikation innerhalb der Local Guides Community mit Treffen und Erfahrungsaustausch einen Anreiz zu bieten. Oder man hat einfach Lust am Bewerten – auf B2C-Portalen wie Holidaycheck oder Reisebüro-Foren wie TravelXperts von FVW Medien.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob man bei Google unter seinem Namen selbst rezensieren und somit sein Leben ein Stück weit öffentlich machen will. Gerade mittelständische Unternehmen sollten allerdings den kostenlosen Businesseintrag auf Maps für sich nutzen.

So erfahren Endkunden etwa durch die bisherigen Rezensionen für die Reisebüros der drei Vorstände der DRV-Säule A, dass es bei Ralf Hieke in Ibbenbüren „freundliches Personal und guten Service“ gibt, Urlaub im Reisebüro von Joachim Horn in Selm „preislich nicht teurer als das Internet“ ist und bei Kreuzfahrt-Experte Oliver Wulf in Düsseldorf eine „gute Beratung“ zu erwarten ist. Derartige Bewertungen sucht man auf Holidaycheck oder Trip Advisor vergebens.

Dieser Text entstammt der aktuellen Ausgabe der fvw 2/2018 (S. 23), in deren Titelgeschichte es um die Zukunft von Bewertungsportale geht. Wir freuen uns über Ihre Erfahrungen mit Hotelbewertungen und Ihre Kommentare hier im fvw Blog.

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